Ela

 

geboren am 5.11.1920

gestorben am 6.11.2017

 

Du warst dir selbst so nah

wie schwarze Seide meiner Seele.

Und fingst zu fallen an als welkes Blatt,

noch eh die Sonne sinnlos aufstieg.

 

Sahst zu, wie alle Sanftmut deiner Stube

hineinfloss in die Tränenrinne,

in der die wilden Raben baden,

als Zeugen meiner Zärtlichkeit.

 

Und willig treibst du in die Dunkelheit

als Schale, die mit Licht sich füllt,

wenn uns der große Tod heimträgt.

Hin zur Stelle, die unsere Hoffnung nährt:

 

Einmal – ihn noch zu sehen, den Tanz

des kleinen Vogels und lauschen

seinem lieblichen Gesang –

hoch oben im Gnadenbaum.  

 

6. 11. 2017, Silvia Rhom                     

 

 

Für Günther

 

geboren am 8.11.1941

gestorben am 1.6.2017

 

… und wieder ist ein Leben von uns gegangen

und ohne Wiederkehr ins Irdische versunken.

War noch im Mai dein Herz an diese Welt geknüpft,

verstummt am 1. Juni kurz süßer Vogelschlag.

 

Der Tod sah zu, wie du dich mühsam plagtest,

den letzten Tropfen Erdenweh zu trinken.

Und während er den Lebensknoten löste,

flog auch die Frage nach dem Morgen fort.

 

Behutsam nahm er deine Hand, erhellte deine Schritte,

die jede Seele vor dir ging und allzeit gehen muss.

Betroffen und mit Schmerz lausch ich dorthin.

Fang an zu taumeln, wie das Laubgewirr der Bäume.

 

Ich sehe den Wolken nach auf diesem blauen Weg,

auf dem auch sie verrinnen, blass und silbern in den Tag.

So wie ein Kind, das weiß, wovon der Frühling spricht,

fühl ich in mir ein Hoffen, Sehnen, Lieben.

 

Und über alles Tun legt eine tiefe Stille sich,

die nur das Dunkel kennt und uns von allem trennt.

Doch nachts weht kühl der Wind eine süße Ahnung her.

Und das Licht eines scheuen Sterns verfängt sich

in manchem Haar.

 

6. Juni 2017, Silvia Rhom                     

 

 

Geburt

 

Diese

Stimme,

die ich all die Monate

singen hörte, sagt nun,

dass draußen meine Erde

auf mich wartet.

Dass der Mond erhaben

vorm Fenster steht, hoch oben,

wo der Hl. Geist das silberne Pferd

vor die Nacht spannt, die das Wunder

vollenden will, das meinen Namen trägt

und den kosmischen Traum einatmet,

mit dem ersten Schrei.

 

 

Das Menschenkleid

 

Einmal noch

Aus der Aschentonne kriechen

Aufstehen –

Das Menschkleid anziehen

Um das verminte Land

Zu betreten in

Gefestigter Ruhe.

 

Dem Thema begegnen

Das ich damals vermied

Dich suchen

Fernab lärmender Welten

Im gehauchten Tau des Morgens

Und finden –

Im zitternden Spiegel des Wassers.

 

 

Du

 

Du bist der Schatz in mir

Den ich vergraben habe

Damit ihn keiner findet

Und ihn niemand stiehlt.

 

Du liegst dort unten

Mit den Tränen all der Jahre

Und ich bleib oben die

Die mir befiehlt.

 

Doch manchmal steig ich tief hinab

Zu dir ins Grabe

Und küsse zärtlich

Deinen kalten Mund.

 

Halt dich im Arm

Du lächelst dann die Frage

Warum kommst du so selten

Bei mir an?

 

Dann wein ich leis

Und flüstere dir zu

Dass ich dies Glück mit dir

Nicht teilen kann.